Auslegung der Tageslosung

Auslegung der Tageslosung


# Aus dem Gemeindeleben
Veröffentlicht am Mittwoch, 25. März 2020, 07:45 Uhr

30.03.20

Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme? (Jeremia 8,4)


Kleinkinder beim Laufen lernen machen es vor: hinfallen, aufstehen, hinfallen, aufstehen;manchmal lauthals schreien, aber es geht weiter. Ich wünschte mir, dass Erwachsene diese Fähigkeit auch noch hätten. Irgendwiegeht sie mit zunehmendem Alter verloren. Rein körperlich stimmt es auch. Kleinkinder fallen besser und in aller Regel ohne sich zu verletzen. Je älter wir werden, desto größer wird die Verletzungsgefahr beim Fallen. Und ein Oberschenkelhalsbruch im hohen Alter ist gar lebensbedrohlich.Und doch wünsche ich mir diese Kunst des Kleinkindesauch noch im Erwachsenenalter. Denn auch ich kenne die wackligen Knie und die zitternden Hände,das Scheitern und Fallen. Und ich bin für Menschen dankbar, die mir das Aufstehen leichter und möglich machten. Die Welt durchläuft gerade eine Zeit, in der vieles fällt und wir uns fragen, was dies alles gesellschaftlich und wirtschaftlich schon jetzt bedeutet und was noch auf uns zukommen wird. Bei allem Fallen hoffen wir, dass wir nicht auch noch irregehen, falsche Wege einschlagen. Doch so leicht ist es gar nicht zu bestimmen. Selbst im Rückblick werden wir nicht so einfach sagen können, was richtig und falsch war. Undselbst da, wo wir irregehen sollten, kann und soll das nicht das letzte Wort haben oder über uns bedeuten. Das will ich glauben und hoffen.Ich wünsche mir, dass es Menschen gibt, die sich nicht entrüstet von mir abwenden, wenn ich scheitere oder Fehler mache, die vielmehr mit mir hoffen, dass nach dem Fallen das Aufstehen kommen darf. Ich wünsche mir, dass es Menschen gibt, die nicht das Fallbeil über mir aktivieren, wenn ich mich in Sackgassen und Schuld verrannt habe, die vielmehr mit mir auf Umkehr und Neuanfang setzen. Vielleicht fragt sich mancher, warum ich hier nicht von Gott rede. Von Gott muss ich mir das nicht wünschen. Gott hat es zugesagt! Er sieht mein Scheitern und meine Schuld. In seiner Liebe schenkt er mir Zukunft!Gott hat es schon sooft getan. Das will ich nicht nur für mich persönlich glauben. Das will ich für diese Welt glauben.

Ihr Martin Reppenhagen, Dekan




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